Homeoffice in Corona-Zeiten, Teil 2

Im ersten Teil bin ich auf die Hardware und Software eingegangen. Selten wird alles benötigt.  In diesem Beitrag nehme ich andere Probleme auf. Für viele Menschen ist das Homeoffice nämlich eine ganz neue Erfahrung und der verklärte Blick zuvor, weicht früher oder später einer gewissen Ernüchterung. Hinzu kommt allerdings eine besondere Situation in Pandemiezeiten. Die Kinder gehen weder in die Kita, noch in die Schule. 

Hast du eine Vorstellung vom Homeoffice?

Die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten zaubert vielen von uns immer noch ein Lächeln ins Gesicht, oder?

Wir denken kurz und schon läuft ein Kopf-Kino ab wie: Ach wie schön. Würde auch gerne von zuhause arbeiten. Kaffee trinken wie ich will, mir in der Nase bohren wann ich will und kann auch aussehen wie es mir passt, zumindest ab Taille abwärts.  Zuhause ist es viel schöner.  Außerdem spare ich mir den Weg zum Arbeitsplatz und damit eine ganze Menge Stress. Da kann ich 1 Stunde länger schlafen und stehe nicht im Stau. 

Ich selbst kenne Fluch und Segen der Schufterei im Homeoffice und glaubt mir: jedes Ding hat zwei Seiten.

Wenn du erfolgreich sein willst, musst du dich ständig selbst motivieren können und Zeitmanagement sollt für dich kein Fremdwort sein. Aber keine Sorge. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und du kannst jetzt mit ein paar Maßnahmen aktiv in das Geschehen eingreifen. Irgendwann wird es dann auch im Homeoffice routiniert gut. Versprochen.

Corona verändert die Einstellung der Unternehmen zum Homeoffice

Während 2014 nur 22 Prozent der Unternehmen die Möglichkeit anbot, von Zuhause aus zu arbeiten, stieg die Zahl während der Corona-Pandemie stark an. Mitunter hat man das Gefühl, dass ganz Deutschland im Homeoffice arbeitet, dabei sind es lediglich 4 von 10 Unternehmen, die das Arbeiten von zu Hause aus anbieten. Klar ist auch, die Arbeitswelt ist trotz verstärkten Homeoffice-Arbeitsplätzen nicht zusammengebrochen. Viele Arbeitgeber/innen stehen dem Homeoffice nicht mehr so negativ gegenüber und viele Arbeitnehmer/innen können sich vorstellen im Homeoffice weiter zu arbeiten.

Fallstrick Nr. 1:

Es gibt keine detaillierte vertragliche Regelung über Arbeitszeiten im Homeoffice, Kernarbeitszeiten und in welchen Zeiten der Heimarbeiter für Chef und Kunden erreichbar sein muss.

Arbeitszeiten im Homeoffice

Zu Hause arbeiten – das scheint ein ideales Modell dafür zu sein, die Familie und den Job unter den berühmten Hut zu bekommen. Gott sei Dank werden die Internetverbindungen schneller, auch wenn es auf dem Land immer noch zu starken Einschränkungen kommt. Der Arbeitgeber ist immer daran interessiert, Kosten zu sparen; hier wären es dann die fixen Bürokosten, die eingespart werden könnten. Viele Mitarbeiter/innen aus Berufen, die traditionell im Außendienst arbeiten, erledigen ihre Arbeit schon lange  im heimischen Büro. Sie sind es auch gewohnt, auf diese Weise richtig mit dem Arbeitgeber zu kommunizieren.

Die Kommunikation zwischen uns Menschen, speziell hier zwischen den Mitarbeitern und Arbeitgebern, ist von Hause aus schon häufig durch Missverständnisse gekennzeichnet. Deshalb sollte jetzt erst Recht gut überlegt sein und exakt abgesprochen werden, wie und wann zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gesprochen/kommuniziert wird.  Ansonsten sind erhebliche Auseinandersetzungen vorprogrammiert.

Fallstrick Nr. 2

Kosten und Nutzung der Hardware sind nicht detailliert geklärt und per Vertrag fixiert worden.

Wer bezahlt´s und was darf ich nutzen?

Ich kenne eine große Versicherung, die ihren Mitarbeiter/innen ein Laptop zur Verfügung stellt – mit allem Zubehör was man so braucht, wie z.B. ein externes USB-Laufwerk für ein Backup. Die Frage lautet häufig:“ Darf ich das Laptop auch für meine privaten Zwecke einsetzen?“ Antwort: NEIN.

„Ja, aber auf die externe Festplatte können auch ein paar Daten von mir Platz finden“. Antwort: NEIN, auch das nicht. Die Festplatte ist und bleibt geschäftlich und nur solche Daten finden darauf Platz.

Diese und andere Fragen zur Nutzung der Hardware, aber auch die Kostenübernahme der Internetverbindung zum Beispiel (eine Sicherheitsverbindung, VPN etc.), sollten vorher geklärt werden. Vertraglich geregelt sein. 

Warum das sehr engstirnig gesehen wird, ist völlig verständlich. Sicherheit, Sicherheit und nochmals Sicherheit. In der Regel möchte kein Arbeitgeber Dokumente aus seinem Unternehmen in irgendeiner Cloud wiederfinden, um es mal überspitzt darzustellen.  Sowas passiert nicht? Das sehe ich anders. Wie schnell passiert es, dass ein Dokument falsch angeklickt wird und versehentlich hochgeladen ist. Nicht immer wird das gleich bemerkt. Deshalb ist es so wichtig, Privates vom Geschäftlichen zu trennen. Die Abgrenzung sollte ganz klar sein und im eigenen Interesse würde ich niemals mit einem Geschäfts-Laptop meinen Privatkram erledigen wollen.

Die Pflicht zur Vertraulichkeit hört im Homeoffice nicht einfach auf. Ich würde alles dafür tun, um im Zweifel über jeden Verdacht des Missbrauchs erhaben zu sein.

Fallstrick Nr. 3

Versicherungsschutz nicht geklärt, bzw. sich darüber nicht informiert.

Unfallversicherung auch im Homeoffice!

Arbeiten wir im Büro unseres Arbeitgebers, sind wir grundsätzlich Unfall versichert, schon auf dem Weg zur Arbeit und auch wieder zurück. Nicht gerne begebe ich mich in das Feld der Versicherer. Aber ich weiß, dass sich die wenigsten Heimarbeiter mit dieser Frage beschäftigen. Deshalb gehe ich kurz darauf ein, damit dir der Spruch „hätte ich das eher gewusst“ erspart bleibt.

Ganz klar – du bist versichert. Allerdings nicht beim Gang zur Toilette,  zur Kaffeemaschine oder wenn der Postbote klingelt und das Zalando-Paket überreicht. Da liegt der Unterschied zum „echten“ Büro. Privates bleibt privat, auch versicherungstechnisch. Wenn du magst, machst du dich schlau und recherchierst vorher im Internet, z.B. hier bei der DGUV.DE

Fallstrick Nr. 4

Business-Rituale aufgeben

In Freizeitkleidung auf dem Sofa lümmeln

Zugegeben. Wenn ich Urlaub habe, lasse ich alle Fünfe gerade sein. Jetzt gilt es Rituale aufzugeben für einen gewissen Zeitraum. Sich auch mal gehenlassen. Urlaub eben.

Aber du steckst im Homeoffice. Du arbeitest von zuhause, es ist dein Job. Jetzt läufst du herum in Jogginghose (wenn´s nach Herrn Lagerfeld geht, hast du dein Leben damit sowieso aufgegeben), unrasiert oder mit Lockenwickler auf dem Kopf? 

LASS DAS SEIN! 

Kleidung macht doch etwas mir dir. Richtig angezogen, eben genauso, wie du normalerweise ins Büro gehst, solltest du dich jetzt anziehen. Deine innere Einstellung ändert sich sofort, steckst du in deinem Business-Dress. 

Ich habe auch die Erfahrung machen müssen, wie wichtig Rituale gerade im Homeoffice sind. Aufstehen, Morgentoilette, Kette umlegen, Uhr anziehen. Die ganze Palette rauf und runter. Keinesfalls ab Taille abwärts in Unterhose an der Videokonferenz teilnehmen. Wetten, dass du anderes spricht in Unterhose, als wenn du ganz normal angezogen bist. Probiere es mal aus. Deine innere Haltung ändert sich total.

Fallstrick Nr. 5

Privates und Berufliches vermischt sich zu sehr

Räumliche Abgrenzungen in der Wohnung schaffen

Wo findet Arbeit statt und wo findet Privatleben statt. Abgrenzungen schaffst du durch deine Kleidung, wie im vorhergehenden Absatz beschrieben. Die gleiche Abgrenzung benötigst du in der Wohnung. Das ist nicht immer so einfach, vor allem wenn man in einem 1-Raum-Appartement lebt.  Versuche eine Ecke so einzurichten, dass du an diesem Ort nur die Dinge vorfindest, die für deine Arbeit wichtig sind. Dazu gehört dein Smartphone, die Ladekabel, das Mikrofon etc.

Oft wird vom Arbeitgeber ein Laptop zur Verfügung gestellt. Ergonomisch betrachtet ist das nicht die beste Lösung. Vielleicht tut dir eine externe Tastatur gut. Sorge dafür, dass du richtig sitzt. Krumm im Sofa zu sitzen macht nicht nur Rückenschmerzen, sondern richtig müde und die Konzentration ist schnell hinüber. Und auch hier macht die aufrechte, erhöhte Sitzhaltung auf einem Stuhl etwas mit deiner inneren Einstellung. Die Folge ist mit Sicherheit eine erhöhte Motivation und mehr Lust auf dein Tagesgeschäft.

Es muss nicht der Riesen-Schreibtisch sein. Ziel ist es, einen Tisch so herzurichten, dass er der einzige Ort in der Wohnung, an dem gearbeitet wird. Es wird nicht lange dauern und du nimmst wahr, wie sehr dieser Platz dich bald automatisch in den Arbeitsmodus bringt, sobald du dich an diesen Schreibtisch setzt.

Fallstrick Nr. 6

Zu wenig Bewegung und kein Ende finden

Pausen machen und um den Block gehen

Das war meine schwierigste Herausforderung zu Beginn meines Homeoffice-Daseins.  Mir fehlte der äußere Taktgeber. Für mich ganz schwer auszuhalten. Ich habe gearbeitet bis zum Umfallen. Zeit und Raum verschwommen zu einer Blase und ich mittendrin. Mein Mann schaute ab und zu mal rein und schüttelte nur mit Kopf: Weißt du wie spät es ist? Oh, doch so spät.

Zu wenig getrunken, zu wenig bewegt, zu viel gearbeitet. Ergebnis nach 2 Monaten: 3 Kilo mehr, Schulterschmerzen, Hüft- und Rückenschmerzen und das rechte Handgelenk war geschwollen. Die Maus war schuld. Klar. 

Nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sind Home-Worker mit fast 6 Überstunden pro Woche dabei – fast doppelt so viele wie die Bürokollegen. Ganz besonders ehrgeizige Zeitgenossen legen da was drauf. Innerhalb unseres gewohnten Büroumfeldes werden wir immer wieder von Kollegen unterbrochen. Natürlich ganz nett gemeint. Vielleicht gehen wir dann sogar gemeinsam in eine verdiente Kaffeepause. Machst du das auch zuhause? 

Wer keine äußeren Taktgeber hat, macht sich selber welche. Ich habe immer noch ein Problem mit dem Durcharbeiten. Seit ich mir in Windows 10 eine Alarmfunktion eingestellt habe und diesem Zeitgeber brav folge – mache ich Pausen und ganz zum Schluß einfach auch mal Feierabend.

Vielleicht druckst du die Psychotipps aus, machst mal Pause und liest.

Dokumentation und Fazit

Diesen letzten Punkt möchte ich zum Anlass nehmen, ein Fazit zu ziehen.

Homeoffice ist anspruchsvoll und erfordert deine ganze Konzentration. Willst du erfolgreich sein, brauchst du auch Disziplin in deiner Tätigkeit. Dafür kannst du dich unterstützen in dem du die passenden und förderlichen Rahmenbedingungen schaffst. Deine Verantwortung. Nicht alles kann dein Arbeitgeber leisten.

Die Königsklasse ist allerdings eine Dokumention deiner Arbeit. Ein Arbeitstagebuch zu führen bedeutet nicht nur einen Nachweis vorzulegen bei der nächsten Besprechung mit dem Chef, sondern gibt dir selbst einen Überblick über das, was du geleistet hast. Welche Erfolge du erringen konntest.

Ich selbst habe meine Arbeit gering geschätzt. Immer hatte ich das Gefühl, nicht genug geleistet zu haben. Erst von Außen hat man mir die Augen geöffnet und aufgezeigt, was ich bereits bis zu einem bestimmten Punkt geschafft hatte. Mir war das gar nicht so bewusst. Und es war ein guter Freund, auch ein Unternehmer, der mir dringend empfahl so ein Tagebuch zu führen. Ich empfehle es gerne weiter.

Viel Erfolg im Homeoffice – und vor allem auch Spaß bei der Arbeit.

Herzlichst

Barbara

Und noch ein Tipp für eine Windows 10 App – Diarium

dafür bekomme ich kein Geld! Diarium ist eine App für Windows 10. Ich habe knapp 6 Euro bezahlt. Kostet sonst knapp 20 Euro. Das wäre es mir auch wert gewesen. 

Ein Notizbuch oder Block mit den notwendigen Spalten tut es auch, aber in der App kann man auf elektronischem Weg Dateien einfach anhängen, Arbeiten fotografieren, oder wie häufig in meinem Fall, einfach sprechen. Wenn man am Computer sitzt, ist das schnell eingetragen. Besonders misstrauische Arbeitgeber sind vielleicht leichter zu überzeugen, wenn die Materialien und das Drumherum mit dokumentiert wird.

Inwieweit diese Art Arbeitstagebuch vor dem Arbeitsgericht Bestand hat, kann ich nicht sagen. Besser als nichts, ist es allemal.

Barbara Wrana - windows-online-kurse

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